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Definition und Diagnostik von Bettnässen

Was ist eigentlich Bettnässen?
Unter Bettnässen, medizinischer Ausdruck “Enuresis”, versteht man das Einnässen über das 5. Lebensjahr hinaus. Man unterscheidet nächtliches Einnässen (monosymptomatische Enuresis Nocturna) vom selteneren Einnässen tagsüber (Harninkontinenz). 
Von der Verlaufsform unterscheidet man eine primäre (Kinder noch nie trocken gewesen) von einer sekundären (Kinder waren länger als 6 Monate schon trocken) Enuresis. Bei letzterer spielen psychische Faktoren als Ursache häufig eine große Rolle.

Wir beschäftigen uns innerhalb dieser Website und im Umfang des Piesel Piepser vor allem mit dem nächtlichen Einnässen.

Enuresis Nocturna

Unter Enuresis nocturna versteht man unwillkürliches nächtliches Einnässen bei normaler Blasenfunktion nach dem 6. Lebensjahr an mindestens 2 Nächten pro Monat. Enuresis Nocturna ist der Fachausdruck für die Diagnose “nächtliches Einnässen”, bei dem es aktuell vier Unterscheidungen (Enuresis S2 Leitlinie) gibt.

  • primär mononsymptomatisch
  • primär nicht-monosymptomatisch
  • sekundär monosymptomatisch
  • sekundär nicht-monosymptomatisch

Der Einfachheit halber erklären wir nur die zwei wesentlichen Unterscheidungen

Primäre Enuresis

Man spricht dann von primärer Enuresis, wenn jemand seit Geburt an nie längere Zeit z. B. über 1/2 Jahr „trocken” gewesen ist.

Sekundäre Enuresis

Man spricht dann von sekundärer Enuresis, wenn jemand schon längere Zeit, ca. 1/2 Jahr nachts „trocken” gewesen ist und erneut begonnen hat, nachts einzunässen.

Trotzdem vermag es eine Tagessymptomatik im Sinne einer Pollakisurie (gehäuftes Wasserlassen am Tag)
Dysurie (Symptomen – Komplex der mit Schmerzen, Brennen sowie sonstigen Beschwerden beim Wasserlassen einhergehen kann) und deutlicher Harndrang mit oder ohne Urinverlust zu geben. Handelt es sich hierbei um unkontrollierten unfreiwilligen Harnabgang verbunden mit intensivem Harndrang, so kann auch an eine Dranginkontinenz (Urge – Inkontinenz, Reizblase siehe hierzu Anhang) gedacht werden.

Eine volle Blase bei Kindern, doch warum nässen Kinder häufig ein?
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Diagnostik

Vor einer Behandlung von Kindern mit nächtlichem Einnässen sollten eine Untersuchung und eine Basisdiagnostik stattfinden, um organische und psychische Ursachen auszuschließen.
Hierzu gehören neben der gründlichen körperlichen Inspektion vor allem ein Gespräch mit Kind und Eltern, das Ausfüllen eines Fragebogens zur Häufigkeit und Menge des Urins, eine Urindiagnostik sowie die Ultraschalluntersuchung von Blase und Nieren. Weitere Untersuchungen, wie auch die Vorstellung beim Spezialisten (Kindernephrologe), sind nur bei Auffälligkeiten notwendig.

Für medizinisch detaillierte Informationen können die Leitlinien zu “Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen” nachgeschlagen werden. Dort befinden sich wissenschaftliche Dokumente, Informationen, Autoren und Herausgeber rund um die Thematik. Diese dienen in der Hauptsache als Behandlungsgrundlage für Ärzte.

Ursachen einer Enuresis

Warum kommt es zum Einnässen?
Die Ursachen sind vielfältig, aber die Vererbung (Genetik) hat dabei eine große Bedeutung. Sind beide Elternteile auch spät trocken geworden, liegt das Risiko des Kindes bei über 70%.
Untersuchungen haben gezeigt, dass es zu einer mangelhaften Rückmeldung der Blasenfüllung an das Gehirn kommt. Dies wird durch eine verzögerte Reifung der entsprechenden Bereiche bedingt.
Es besteht aber kein Zusammenhang mit der generellen Entwicklung des Kindes. Das Kind kann ansonsten geistig und körperlich vollkommen normal entwickelt sein.
Ihr Kinderarzt wird bei einem Besuch durch verschiedene Untersuchungen (Erfragen der medizinischen Vorgeschichte, körperlicher Befund, Ultraschall, Urinproben) mögliche Stoffwechselerkrankungen, Infektionen oder Missbildungen der Harnwege als Ursache ausschließen können. Auch zusätzliche Tagessymptome müssen unbedingt im Vorfeld ausgeschlossen werden, da sonst eine geplante Therapie des nächtlichen Einnässens möglicherweise nicht funktioniert. Bei diesen Kindern, welche sowohl nachts als auch tagsüber einnässen, handelt es sich häufig um eine behandlungsbedürftige Störung der Blasenfunktion. Liegt gleichzeitig eine Verstopfung als Begleiterkrankung vor, ist eine sorgfältige Ursachenabklärung gleichfalls notwendig.
Psychische Ursachen sind bei der primären Verlaufsform eher selten.
Häufige Ursache ist eine Reifungsverzögerung der betroffenen Körperregionen, aber auch die zu gering produzierte Menge des Hormons Adiuretin (ADH) kann ein Auslöser sein. Die so betroffenen Kinder „überschwemmen“ dadurch nachts ihr Bett.

Generell gilt, dass sich die Behandlung nach der Ursache der Enuresis richten sollte. Siehe hierzu auch die neueren Studien aus der Genforschung.

Wie häufig ist nächtliches Einnässen bei Kindern?

Doppelt so viele Jungen wie Mädchen quälen sich im Alter zwischen 5 und 7 Jahren mit dem Problem des Einnässens, in Wiederholung, herum. Zirka 15% aller Kinder leiden darunter.

Ein Zahlenbeispiel:
2015 wurden laut Geburtenrate in Deutschland 738.000 Kinder geboren.
Laut Studien leiden davon ca. 15% aller Kinder, also 110.700 deutschlandweit, später unter Eunuresis, “Bettnässen” oder auch nächtlicher Inkontinenz.

Verteilung des nächtlichen Einnässens auf Jungen und Mädchen

Das sind 73 800 Jungen und 36 900 Mädchen. Es tritt also häufig vor und es handelt sich nicht um ein katastrophales Problem, sollte auch Ihr Kind darunter leiden. Denn es gibt Lösungen.

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